Weiße Wände sind passé – in den Fluren der Hausgemeinschaften Rotbach und Mühlenbach fließt tatsächlich ein Bach, zumindest an der Wand. Bewohner, Mitarbeiter und Angehörige haben lange überlegt, wie sie die Wände gestalten wollen. Viele Ideen sind innerhalb des letzten Jahres gemeinsam umgesetzt worden. Am Fahrstuhl ist nun ein Mühlrad zu sehen. Dieses dient vor allem den von Demenz betroffenen Senioren als Orientierungshilfe. Weiter geht es – immer am Bachlauf entlang – an einen Baum, dessen Blätter je nach Jahreszeit ausgewechselt werden können. Kleine Zäune, Steine, Getreidehalme und ein Vogelhäuschen fördern die visuelle und taktile Wahrnehmung. Kurzum, es geht nicht nur um frisch gestrichene Wände, sondern vor allem um die Förderung und Anregung der Sinne.„Wir haben bewusst auf die professionelle Gestaltung der Flurbereiche verzichtet, um den hier lebenden Senioren - unserem Konzept entsprechend - die Möglichkeit zur Mitbestimmung zu geben. Sie leben im Haus St. Johannes und sollen ihr Zuhause nach eigenen Vorstellungen gestalten dürfen.
Als es dann konkret wurde, haben wir doch kurz den Atem angehalten, da wir eher an das Aufhängen von Bildern gedacht hatten, als daran, die Wände zu überstreichen. Das war bei einem vor einem Jahr bezogenen Neubau natürlich nicht notwendig“, schildert Caritasdirektor Dr. Andreas Trynogga sein erstes Unbehagen. Heute sind alle Verantwortlichen des Caritasverbandes froh über das tolle Ergebnis und bedanken sich bei allen Beteiligten für die geleistete Arbeit.
Elke Labahn, Alltagsbegleiterin im Haus St. Johannes, schildert, wie engagiert viele Senioren mitgearbeitet haben: so habe z. B. Bernhard Post zusammen mit Alltagsbegleiter Aziz Morina die Wände gestrichen, Johanna Knebel die Zäune geschliffen, Irmgard Mildner und Hannelore Wiefel die Steine aufgeklebt usw. „Die Identifikation der Bewohner mit ’ihrer’ jeweiligen Hausgemeinschaft ist seitdem viel ausgeprägter. Sie verbinden jetzt ihr Zimmer mit dem jeweiligen Motiv an der Wand; so sagt Helga Körner: ‚ich wohne am Baum’“. (sh)
„Es ist immer der gleiche Teufelskreis. Ein Sturz im Alter führt zu Verletzungen; damit einher gehen Unsicherheit und Angst wieder zu stürzen. Das führt zu weniger Mobilität und damit zu Muskelabbau; durch geringere Muskelleistung steigt wiederum die Gefahr erneut zu stürzen. Diesen Kreislauf wollen wir durchbrechen“, so André Laufer, Sportphysiotherapeut des Reha-Zentrums Oberhausen. Einmal wöchentlich kommt er in das Caritashaus St. Johannes und trainiert mit 10–14 Senioren. Dabei geht es um Koordinationsübungen, um eine Verbesserung der Körperwahrnehmung und des Gleichgewichtes, aber auch um Kraftaufbau und Gedächtnistraining.
Begleitet werden die Ergebnisse vom Lehrstuhl für Sportmedizin und Sporternährung der Ruhr Universität Bochum. Zu Beginn werden mit jedem Teilnehmer ein Gleichgewichts- und Sturzrisikotest durchgeführt sowie die Messung der Handkraft vorgenommen. Bei der Gruppe von Senioren, die vom Lehrstuhl im Rahmen der Forschung getestet wurden, waren zum Ende des Trainings messbare Verbesserungen zu verzeichnen - vor allem bei der Erhöhung der Muskelkraft. Entsprechend geübte Senioren schafften es im Test bis zu 18% häufiger vom Sitzen in den Stand zu kommen als vor Trainingsbeginn. Darüber hinaus sind psychologische Aspekte wichtig: Den älteren Menschen die Angst vor Stürzen zu nehmen und diese in Respekt umzuwandeln, sie in die Lage zu versetzen sich und ihre Kräfte besser einschätzen zu lernen.
„Reha-Sport in dieser Form in einer Pflegeeinrichtung anzubieten ist einzigartig in der Region und ich freue mich über die signifikanten Verbesserungen, die ich bei den Senioren beobachten kann“, zeigt sich Laufer von dem Angebot überzeugt.
Weiterbildung zur Fachkraft für palliative Pflege erfolgreich beendet
Nach 21 Fortbildungstagen war es endlich soweit. 18 examinierte Alten- und Krankenpflegerinnen erhielten aus der Hand von Karla Kämmer, Dipl. Organisationsberaterin und Lehrbeauftragte der Kath. Fachhochschule Freiburg, ihr Zertifikat. Damit sind sie zertifizierte Fachkräfte für palliative Pflege. Die Teilnehmerinnen kommen allesamt aus den stationären und ambulanten Diensten des Caritasverbandes Bottrop. Sie haben sich in den letzten Monaten u.a. mit Inhalten der Schmerztherapie, mit rechtlichen und ethischen Aspekten der Sterbebegleitung und den verschiedenen Kommunikationsformen mit Schwerstkranken beschäftigt.
Damit werden die Mitarbeiterinnen befähigt das Wohlbefinden der Menschen in der letzten Phase des Lebens zu fördern, Leiden und Schmerzen zu lindern und somit die Lebensqualität bis zuletzt zu sichern, beschreibt Karla Kämmer, die den Kurs leitete, die Ziele der Fortbildung. Bei der palliativen Versorgung geht es insbesondere darum, den Menschen in seiner ganzheitlichen Ausprägung (physisch, psychisch, spirituell und sozial) zu sehen.
Sowohl in den Einrichtungen, als auch im ambulanten Bereich nimmt der Bedarf an palliativer Versorgung stetig zu. Deshalb hat der Caritasverband Bottrop sich entschlossen die Mitarbeiterinnen auszubilden und damit die Qualität der Arbeit auch auf diesem Gebiet zu sichern.