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Stand: 02.03.2017

Pressemitteilung

Körperhaltung und Schlucken

Die Schulung fand für die Caritas-Fachkräfte ganz praxisorientiert, nämlich direkt am Arbeitsplatz statt. Dazu konnten zwei Experten gewonnen werden, Eberhard Volker Prollius, Logopäde mit dem Schwerpunkt Diagnostik und Therapie neurologisch bedingter Dysphagien und Beate Peddinghaus, examinierte Pflegefachkraft und Trainerin für den Umgang mit Pflegehilfsmitteln. 

Der Bewohner Wolfgang Heiland zeigt gemeinsam mit Beate Peddinghaus der Trainerin für Pflegehilfsmittel, wie diese den Alltag erleichternWolfgang Heiland demonstriert gemeinsam mit der ex. Pflegefachkraft Beate Peddinghaus wie einfach die Mobilisierung mit dem Haltegürtel ist.Peter Nocon

"Sitzen ist Lebensqualität, egal ob im Bett, an der Bettkante oder auf dem Stuhl. Leider ist häufig ‚eins, zwei drei - hau ruck‘ das Mittel der Wahl, um den Bewohner in die optimale Position zu bringen. Das ist weder für den Menschen angenehm, noch für den Rücken der Pflegekräfte", erklärt Beate Peddinghaus. Hier gibt es pfiffige Hilfsmittel, die einfach und effektiv zum Wohle der Bewohner und der Mitarbeiter anzuwenden sind. Über diese Schulungen und dem konkreten Theorie/Praxis Transfer entstand der erste Kontakt.

Immer mehr Senioren haben Schluckstörungen, wie viele Studien belegen. Das Ziel ist es, die Lust am Essen und den Genuss daran zu erhalten und damit die Lebensqualität der Bewohner zu stärken. "Unter den Senioren in einer stationären Pflegeeinrichtung sind das Essen und die Qualität desselben das Thema schlechthin", weiß Irena Glomb, Einrichtungsleiterin im Haus St. Johannes in Kirchhellen. Das spiegelt sich in den jährlich durchgeführten Bewohnerbefragungen und vielen Einzelgesprächen wieder.
Leidet der Mensch unter einer Schluckstörung, kommt es zu einer Situation der Mangelernährung und/oder Austrocknung. Der Betroffene kommt in eine Vermeidungshaltung und isst automatisch weniger. Dies wiederum führt zu einer weitreichenden Veränderung des Allgemeinzustandes. Die reduzierte Schluckfrequenz hat zudem eine Entkräftung aller am Schluckvorgang beteiligten Muskelsysteme zur Folge. Eine Schwächung des Immunsystems und eine verschlechterte Wundheilung, die das Dekubitus-Risiko erhöht, verschärfen die Problematik.

Das Durchbrechen dieser Gefahrenkette gelingt nur durch einen intensiven Dialog mit den behandelnden Ärzten und den Austausch mit allen beteiligten Berufsgruppen. Die umfassende Information der Angehörigen bzw. Bezugspersonen gehört ebenfalls dazu.

Auch hier setzen die beiden Fachtherapeuten parallel an und präsentieren anschaulich, wie stark auch die Körperhaltung das Schlucken beeinflusst.

Peddinghaus ist es wichtig, dass sich die Pflegenden in die Situation der Bewohner hinein versetzen. So verdeutlicht sie in den Wohnbereichen, wie wichtig es ist, das Essen in einer aufrechten Sitzposition einzunehmen. Ebenso ist auf eine belegte Stimme, auf Husten und Räuspern während und nach den Mahlzeiten zu achten. Manche Bewohner schlucken nicht, sondern sammeln die Nahrung oder Flüssigkeit im Mundraum. Dies erhöht die Gefahr, dass Partikel in die oberen Atemwege gelangen und das wiederum kann zu einer Lungenentzündung führen.

Die klassische Reaktion auf Schluckstörungen ist ein generelles Passieren aller Bestandteile einer Mahlzeit und ein Andicken aller Flüssigkeiten, damit es leichter zu schlucken ist. "Dies ist weder ansehnlich (‚die Augen essen mit‘) noch appetitlich und weit von einem Genuss an Essen und Trinken entfernt", so beschreibt Eberhard Volker Prollius das Szenario. Daher gehört die Einbeziehung des Küchenpersonals zum Konzept der Fortbildungsreihe.

passierte Hähnchenschenkel mit Erbsen und Kartoffelgratinauch passierte Nahrung kann lecker aussehen und den Genuss am Essen erhaltenSigrid Hovestadt - Caritasverband Bottrop

Das Wichtigste bei Menschen mit Dysphagie ist es, das Essen und Trinken in Ruhe zu sich nehmen zu können. Die Speisen sollten in individuellen Mengen ggfls. mit einem Teelöffel angereicht werden. Vor allem muss die Körperhaltung bestmöglich ausgerichtet sein. All das erscheint banal, ist aber Grundvoraussetzung für einen reibungslosen Ablauf und Ziel professionellen, pflegerischen Handelns. Das A und O für eine Verbesserung der Lebenssituation ist es, die Vieldeutigkeit der Symptome und vor allem Schmerzen zu erkennen, um dann differenziert und individuell auf den Menschen zugeschnittene therapeutische Unterstützung zu geben. "In dieser Fortbildung wurde deutlich, wie wichtig ein interprofessionelles Zusammenarbeiten zum Wohle des Bewohners ist", zeigt sich Alexander Hohler, der Fachbereichsleiter, vom Erfolg der Fortbildung begeistert. Nur so kann seines Erachtens eine nachhaltige und zugleich zukunftsfähige Altenpflege gewährleistet werden. Deshalb wird es weitere Fortbildungen zu diesem Thema geben, damit alle Wohnbereiche in allen Häusern der Caritas davon profitieren können und demzufolge natürlich auch die Bewohner.

 

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