Aufarbeitung von Fällen sexualisierter, körperlicher und psychischer Gewalt im Kindervollheim St. Konrad
Dem Caritasverband für die Stadt Bottrop e.V. liegen Hinweise auf Fälle sexualisierter, körperlicher und psychischer Gewalt im ehemaligen Kindervollheim St. Konrad, seit 1968 Kinderdorf am Köllnischen Wald, aus den 1960er- und 1970er-Jahren vor.
Vor diesem Hintergrund hat der Verband als zuständiger Träger eine unabhängige wissenschaftliche Aufarbeitung beauftragt, um zu klären, ob es möglicherweise Hinweise auf weitere Fälle geben könnte. Ziel ist es, das Leid der Betroffenen anzuerkennen und die damaligen Ereignisse transparent aufzuarbeiten.
Keine Hinweise auf aktuelle Fälle
Die bislang vorliegenden Hinweise beziehen sich ausschließlich auf Vorfälle aus den 1960er- und 1970er-Jahren. Nach derzeitigem Kenntnisstand gibt es keine Hinweise auf aktuelle Fälle.
Aufarbeitung mit und für Betroffene
Im Mittelpunkt der wissenschaftlichen Aufarbeitung stehen die Erfahrungen der Betroffenen, deren Leid über lange Zeit hinweg nicht ausreichend gehört wurde. Die Aufarbeitung beinhaltet eine Interviewstudie, die dazu dient, die Erlebnisse von Betroffenen, ihren Angehörigen und (ehemaligen) Mitarbeitenden zu erfassen und sicherzustellen, dass ihre Perspektive systematisch in den Aufarbeitungsprozess einfließt. Des Weiteren sind die Gründung eines Begleitgremiums und die Entwicklung einer Erinnerungskultur geplant, um die Perspektiven der Betroffenen auch über die Interviewstudie hinaus in den Aufarbeitungsprozess einzubinden.
„Sich der Vergangenheit zu stellen bedeutet für uns als Caritasverband Bottrop, die Verantwortung für eine lückenlose Aufarbeitung zu übernehmen – für das schwere Leid, das Kindern und Jugendlichen in der Geschichte unserer Einrichtung angetan wurde.
Dass jungen Menschen ausgerechnet an einem Ort, der ihnen Schutz und Geborgenheit hätte bieten müssen, solches Leid zugefügt wurde, macht uns zutiefst betroffen.
Wir wissen, dass diese schwerwiegenden Ereignisse nicht ungeschehen gemacht werden können. Aber wir möchten das geschehene Leid ausdrücklich anerkennen. Im Mittelpunkt stehen für uns dabei uneingeschränkt die Erfahrungen der Betroffenen, denen wir echtes Gehör schenken wollen.
Aus dieser Haltung heraus beginnt nun ein unabhängiger wissenschaftlicher Aufarbeitungsprozess. Es gilt lückenlos zu untersuchen, wo weitere Verfehlungen stattfanden, welche personellen und strukturellen Verantwortlichkeiten bestanden und an welchen Stellen geschwiegen, weggesehen oder versagt wurde.
Unsere Verantwortung endet jedoch nicht bei dieser Aufarbeitung: Der Abschlussbericht wird kein Schlusspunkt sein. Wir verstehen ihn als Verpflichtung, den Betroffenen gegenüber transparent mit den Ergebnissen umzugehen und uns auch unbequemen Erkenntnissen zu stellen. Die gewonnenen Erkenntnisse werden unseren weiteren Umgang mit den Betroffenen und mit der Geschichte unserer Einrichtung verbindlich prägen. Zugleich werden sie heute und in Zukunft in unsere Schutz- und Präventionsarbeit sowie in die Stärkung einer Kultur des Hinsehens einfließen.“