Worum geht es bei der Aufarbeitung?
Die Caritas Bottrop will mit ihrer Aufarbeitung das erlittene Unrecht sichtbar machen, das Leid der Betroffenen anerkennen, ihnen Raum und Gehör verschaffen sowie ihre Perspektive verbindlich in den Aufarbeitungsprozess einbinden. Dabei übernimmt der Verband Verantwortung für das Geschehene und setzt sich kritisch mit den damaligen Strukturen und möglichen Versäumnissen auseinander. Ziel ist es, aus den Erkenntnissen der Aufarbeitung Konsequenzen zu ziehen, bestehende Schutzkonzepte kontinuierlich weiterzuentwickeln und Strukturen nachhaltig zu stärken, damit Kinder, Jugendliche heute und künftig bestmöglich geschützt werden.
Unter dem Begriff „Aufarbeitungsprozess“ werden alle Anstrengungen zusammengefasst, die von einer Institution unternommen werden, um Taten sexualisierter, körperlicher und psychischer Gewalt, die meist schon länger zurückliegen, aufzuarbeiten. Aufarbeitung ist keine Vergangenheitsbewältigung, sondern zukunftsgerichtete Vergangenheitsvergegenwärtigung. Dabei werden die unterschiedlichen Erfahrungen berücksichtigt, die Betroffene gemacht haben. Die öffentliche Bekundung der Verantwortungsübernahme ist ein wichtiger symbolischer Schritt. Sie macht deutlich, dass die Institution die Aufarbeitung als Anfrage an sich selbst versteht, verbunden mit der klaren Erwartung, dass dies Konsequenzen hat
Abschlussbericht
Im Rahmen der Aufarbeitung hat die Caritas Bottrop zwei unabhängige wissenschaftliche Untersuchungen beauftragt: eine Archivrecherche und eine Interviewstudie mit Betroffenen. Die Ergebnisse beider Untersuchungen werden in einem gemeinsamen Abschlussbericht enthalten sein, der voraussichtlich im Herbst 2027 veröffentlicht wird.
Erinnerungskultur
Die Erinnerungskultur ist wesentlicher Bestandteil verantwortungsvoller Aufarbeitung. Sie hält das erlittene Unrecht sichtbar, würdigt die Erfahrungen der Betroffenen und macht deutlich, dass das Geschehene nicht in Vergessenheit gerät. So trägt sie außerdem dazu bei, aus der Vergangenheit verbindliche Konsequenzen für Gegenwart und Zukunft zu ziehen und die Wiederholung vergangener Fehler zu vermeiden.
Eine nachhaltige Form des Erinnerns setzt die sorgfältige und vollständige Untersuchung des Unrechts voraus. Erst wenn das geschehene Unrecht umfassend untersucht und benannt ist, kann eine nachhaltige Erinnerungskultur wachsen. Nach Abschluss des Aufarbeitungsprozesses werden deshalb verschiedene Formen des Erinnerns gemeinsam mit Betroffenen geprüft.